Wiedereinstieg

    • Hallo,

      ich habe eine Frage zum Wiedereinsteig.

      Dieser sollte ja im Bewegungshandel grundsätzlich erfolgen, wenn der unter der Signallage liegende Trend bloß korrigiert und man dadurch auf der Signallage ausgestoppt wird, richtig?

      Also würde man beim Wiedereinstieg 3 Trends betrachten?

      Angenommen, die Großwetterlage wäre gut auf dem 60Min Chart sichtbar, der Signaltrend wäre deutlich auf dem 10 Min. Chart zu erkennen und auf diesem Trend würde man dann während des Beweggungshandels ausgestoppt werden. Dann müsste doch der unter dem Signaltrend stehende Trend, der bspw. auf dem 1 Min. Chart abgebildet werde könnte, herangezogen werden, um zu überprüfen, ob dieser bloß korrigiert hat oder ob dieser Trend gebrochen worden ist. Falls nur eine nicht trendbrechende Korrektur eingetreten wäre, müsste dann ein Wiedereinstieg erfolgen.

      Sind diese Gedankengäng fachlich korrekt?

      Ich frage vor allem, da der angebrachte aber fehlende bzw. fachlich nicht korrekte Wiedereinstieg in Voigt's "Großem Arbeitsbuch der Markttechnik" als eine von zwei "Todsünden" bezeichnet wird und ich mir deswegen diesbezüglich sicher sein will.

      Viele Grüße.
    • Achte auf die Gesamtbewegung. Aktuell ist Korrekturmodus angesagt. Da die Märkte aber grundsätzlich 2/3 der Zeit steigen anstatt zu fallen, ist Vorsicht geboten. Von einem Bärenmarkt kann man derzeit noch nicht ausgehen. Also faktisch gesehen "Fachlich korrekt" schon, aber es ist durchaus realistisch, dass man fachlich korrekt eine Menge Geld verliert...
      Wie handelt man denn nun am besten an der Börse?

      Hmm... am besten profitabel :)

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    • Spinshot schrieb:

      aber es ist durchaus realistisch, dass man fachlich korrekt eine Menge Geld verliert...
      Heißt das, dass man von seiner Handelsstrategie Ausnahmen machen muss in bestimmten Situationen? Bzgl. der Markttechnik Bücher wirkte es auf mich eher so, dass Voigt propagiert, man solle seiner Strategie "auch in schlechten Tagen" treu bleiben.

      Sollte eine gute Strategie also schon die eben erwähnten Ausnahmen beeinhalten, die ja dann nicht mehr Ausnahmen im klassischen Sinn wären, sondern vielmehr schon inbegriffene Teile der Strategie?
    • das musst du selbst entscheiden. Du kannst auf Voigt hören, oder auf den Markt...

      Ich sag mal so... 1 Jahr hat 4 Jahreszeiten.... Es gibt halt auch jedes Jahr einen Winter, egal wie lang er ist.... Selbst wenn 1000 Gurus sagen würden, den Winter gibt es nicht mehr, würde ich mich darauf vorbereiten ;)
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    • Habe noch weitere Fragen bzgl. des Wiedereinstiegs:

      Wohin setzt ihr dabei vorzugsweise die Order(s) und wohin setzt ihr den Stopp? Verwendet ihr dasselbe Moneymanagement wie bei der zuvor ausgestoppten Position, sprich dieselbe Positionsgröße und denselben riskierten Betrag?

      In Frage 228, 229 und 230 des "Großen Arbeitsbuch der Markttechnik" werden grundsätzlich mehrere Varianten vorgestellt:
      - Sofort Market wieder einsteigen. Aber wo liegt dann der Stop? Auch auf dem Punkt 3 des untergeordneten Trends (also des Trends unterhalb der Signallage)?
      - Gestreute Limit-Orders mit Initial-Stopp auf dem untergeordneten Punkt 3
      - Stopp-Sell/Buy-Order an das Tief/Hoch der Ausstiegsperiode, diese würde dann mit jeder weiteren steigenden Periode auf das neue Periodentief angezogen
      - Platzierung einer Stopp-Sell/Buy-Order am Punkt 2 des untergeordneten Trends (wahrscheinlich auch mit Stop auf Punkt 3 des untergeordneten Trends)
      - Sofern ausreichend Nähe zum Markt gegeben ist, könnte der Wiedereinstieg auch durch eine Kombination der vorher genannten Möglichkeiten erreicht werden
      - Wenn der untergeordnete Trend gebrochen wurde, Stopp-Buy/Sell-Order an den bis dato möglichen neuen Punkt 2, der beim Triggern den damit neu entstandenen Trend bestätigt (Wo der Stopp genau hinsoll, wird nicht explizit genannt, wohl auf den entstandenen Punkt 3 des untergeordneten Trends)
    • Ok, dann mal etwas mehr Markttechnik für die Antwort auf die erste Frage im Thread.

      rotu schrieb:

      ich habe eine Frage zum Wiedereinsteig.

      Dieser sollte ja im Bewegungshandel grundsätzlich erfolgen, wenn der unter der Signallage liegende Trend bloß korrigiert und man dadurch auf der Signallage ausgestoppt wird, richtig?

      Ja.

      rotu schrieb:

      Also würde man beim Wiedereinstieg 3 Trends betrachten?
      Ja, weil du nach Voigt's Vorschlag ja in der Lage bist, den deiner Signallage untergeordneten Trend "aufzuklappen" und daraus Schlüsse zu ziehen.
      Musst du aber nicht, deine Signallage hat Priorität vor dem ihr untergeordneten Trend. Wiedereinstiege sind als eine "Pflicht" zu verstehen, solange GWL und Signallage in einem Zustand sind, der einen sinnhaften Einstieg sowohl ermöglicht als auch erfordert. Beide sind aber streng genommen losgelöst von dem Trend, welcher unterhalb der Signallage rangiert. Dieser kann allenfalls ein leckeres Finetuning ergeben. ;)

      rotu schrieb:

      Angenommen, die Großwetterlage wäre gut auf dem 60Min Chart sichtbar, der Signaltrend wäre deutlich auf dem 10 Min. Chart zu erkennen und auf diesem Trend würde man dann während des Beweggungshandels ausgestoppt werden. Dann müsste doch der unter dem Signaltrend stehende Trend, der bspw. auf dem 1 Min. Chart abgebildet werde könnte, herangezogen werden, um zu überprüfen, ob dieser bloß korrigiert hat oder ob dieser Trend gebrochen worden ist. Falls nur eine nicht trendbrechende Korrektur eingetreten wäre, müsste dann ein Wiedereinstieg erfolgen.

      Sind diese Gedankengäng fachlich korrekt?

      Ja. Und zwar für den Bewegungshandel ganz besonders aus folgendem Grund: diejenigen Tiefs (wir reden mal bespielhaft ausschließlich von Long-Setups), welche durch die zeitliche Stückelung der Perioden in dem Marktverlauf sichtbar werden, sind ja zu einem großen Teil nur zufällig sichtbar. Nämlich deshalb, weil sie nur zufällig dasjenige Tief anzeigen können, welches der Markt innerhalb ihres eigenen Verlaufs gebildet hat. Ob aber dieses Tief oder ein möglicherweise vor- oder nachgelagertes Tief dann auch wirklich dem Tief (P3) des deiner Signallage untergeordneten Trends entsprechen, das kannst du aus der Periode nicht ableiten.

      Jetzt könntest du fragen, warum man dann für den Bewegungshandel nicht grundsätzlich immer den untergeodneten Trend sichtbar macht und an dessen P3 den Stopp nachzieht. Und die Frage ist gut! Antwort - soweit ich die Markttechnik verstanden habe und ohne Gewähr: Es gibt immer ein Handelsziel und eine Stopp-Logik - und das sind zwei Seiten einer Medaille. Ziel des Bewegungshandels ist es, einen größtmöglichen Teil aus dem Bewegungsarm der Signallage herauszuschneiden. Die Stopp-Logik kann als Trendhandel untergeordnet durchgeführt werden oder aber eben auf den Perioden (inkl. Innenstäben) der Signallage. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Aber der Stopp auf den Periodentiefs ist der Idee geschuldet, dass ein Händler dadurch einen Markt nicht permanent zu beobachten braucht, sondern statt dessen fühestens nach dem Ablauf einer Periode eine Handelsentscheidung treffen muss. Auf diese Weise kann er die Zwischenzeit für andere Märkte oder vollkommen andere Beschäftigungen nutzen. Er ist sich derweil aber über die "Zufälligkeit" der Bildung seiner Periodentiefs bewusst und muss im Zweifel dennoch den untergeordneten Trend zu Rate ziehen. Im Falle einer Stopp-Logik, welche direkt auf dem untergeordneten Trend und dessen P3 basiert, müsste der Händler permantent anwesend sein und seine Stopps fachlich korrekt nachziehen.

      Abgesehen davon gibt es selbst bei einem Bruch des untergeordneten Trends oftmals jene "Pflicht" zum Wiedereinstieg. Nämlich dann, wenn dieser sich trotz kurzzeitigem Trendbruch wieder fortsetzt und die GWL und Signallage noch immer Gültigkeit haben bzw. in enstprechend attraktiven Phasen sind. Und es gibt obendrein durchaus auch die Überlegung, den Bewegungsarm einer GWL zum Handelsziel zu erklären. Da gelten die gleichen Regeln, alles adaptiert auf die nächsthöhere Trendgröße. Da sind also noch ein paar weiterführende Gedanken...

      rotu schrieb:

      Ich frage vor allem, da der angebrachte aber fehlende bzw. fachlich nicht korrekte Wiedereinstieg in Voigt's "Großem Arbeitsbuch der Markttechnik" als eine von zwei "Todsünden" bezeichnet wird und ich mir deswegen diesbezüglich sicher sein will.

      Todsünden sind fehlende Wiedereinstiege immer dann, wenn wie oben erwähnt, alle sonstigen Gegebenheiten für deine ursprüngliche Handelsidee noch Gültigkeit haben. Zum Beispiel, wenn du eine Bewegung weit über den P2 der GWL hinaus erwartest, aber vorher vom Signaltrend gestoppt wurdest. Und es gibt noch weitere Situationen. Es geht im Grunde darum, zu verstehen, dass keine noch so kluge Stopp-Technik dafür sorgen kann, dass du dein Ziel unbeschadet erreichst. Aber auch gleichzeitig immer auf dem Schirm haben musst, dass du eventuell nicht nur zufällig aus dem Markt gekegelt wurdest, sondern dass hier möglicherweise neue Bedingungen vorherrschen, welche den Sinn des ehemaligen Trades durchaus in Frage stellen könnten. Markttechnik ist nicht nur Stopp-Technik, sondern eben auch der Versuch, die Frage "Wer kauft nach mir?" zu beantworten.

      Aber es ist eine gute Idee, sich der Markttechnik über die Essentials zu nähern und solche Erweiterungen erst dann zu erobern, wenn das Grundprinzip vollständig verstanden wurde. Das heißt also bei einem Trendbruch ist Ende und ein möglicher Wiedereinstieg erfordert einige Voraussetzungen und vor allem eine entsprechende Sinnhaftigkeit. Wenn man oft genug erlebt hat, wie der Markt zwar im Grunde genau den Verlauf macht, den man vorhergesagt und sich "gewünscht" hat, man aber dennoch vorher ausgestoppt wurde, dann beginnt ein völlig neuer Lernprozess, der aber eben NICHT - wie manchmal behauptet wird - eine vollständige Abkehr von der markttechnischen Logik bedeutet. Denn genau an dieser Stelle wird es erst richtig interessant, mal über die Frage nachzudenken, "wer und warum nach mir kaufen" sollte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Matthias ()

    • Nein, bleiben sie in deinem Fall nicht. Bei dem Tradinggedöns nimmst du immer relative Positionsgrößen, IMMER! Deswegen ist ein Verlust auch immer heftiger als ein prozentual gleicher Gewinn. Wenn du 10% verlierst und nur noch 90% übrig bleiben, brauchst du mehr als 10% Rendite, um wieder auf breakeven zu sein.
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